Schweinfurt, 8.10.2022 – Am heutigen Abend ehrt der Bayerischer Landesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. Günther Tschirschwitz für 40 Jahre ehrenamtliches Engagement in der Aphasiker-Selbsthilfe. Tschirschwitz gründete die Selbsthilfegruppe im Mai 1982 als Reaktion auf einen Schlaganfall und anschließender Aphasie seiner Ehefrau Ellen. „Ich wollte mich nicht damit abfinden, dass es in Schweinfurt keine Aphasiker-Selbsthilfegruppe gab“, sagt Tschirschwitz. In den Anfängen habe es weder niedergelassene Logopäden noch sonstige Unterstützung gegeben.
Am Festabend im Kolping Hotel Schweinfurt nehmen weitere Ehrengäste teil: Der Oberbürgermeister von Schweinfurt, Sebastian Remelé und Kathrin Speck,Bezirksvorsitzende vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Unterfranken, drücken Günther Tschirschwitz (85 Jahre) Ihre Anerkennung aus. Die Laudatio hält Reinhold Richter, selbst Aphasiker, Sprecher einer Aphasie-Selbsthilfegruppe und Vorsitzender des Behindertenbeirats der Stadt Bayreuth. Als sichtbares Zeichen der Ehrung überreicht Richter ihm die Auszeichnung des BLRA e.V. „Säule der Aphasie“ und einen Geldpreis.
Ehrengast Tschirschwitz bedankt sich für die Auszeichnung und schaut auf Meilensteine seines Lebens zurück. „Ich möchte mich bei Thomas Loch und dem Landesverband und besonders denen herzlich bedanken, die mich und meine Gruppe ideell und finanziell unterstützt haben. Mein besonderer Dank gilt der Schweinfurter Hartmann-Stiftung sowie den Krankenkassen, die die Selbsthilfegruppe mit Zuschüssen unterstützt haben“, sagt Tschirschwitz.
Gastgeber und erster Vorsitzender des Aphasie Landesverbandes Bayern, Thomas Loch betont in seiner Ansprache die Bedeutung der Selbsthilfe für Aphasiker. So rechnet er die gesellschaftliche Bedeutung des Themas Aphasie vor: In Deutschland bekommen jedes Jahr ca. 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Etwa 100.000 Menschen überleben ihn nicht. Von den Überlebenden tragen etwa 40.000 Menschen eine Aphasie als Folge mit sich. Rein statistisch stammen etwa 13 % dieser Aphasiker aus Bayern. Das bedeutet, dass jedes Jahr etwa 5.000 – 7.000 Aphasiker mit den Folgen ihrer Sprachlosigkeit und weiteren Einschränkungen kämpfen müssen“ sagt Loch.
Thomas Loch weist auf zudem in seiner Rede darauf hin, wie wichtig die Digitalisierung auch für seinen Landesverband ist: 2/3 der bayerischen Aphasiker sind älter als 60 Jahre.
„Auch die rechnerischen 1.600 jüngeren, die ihr Leben noch vor sich haben, wollen wir erreichen“, sagt Loch. Aufgrund der Altersstruktur und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, werde es jedoch zunehmend schwieriger, ehrenamtliche Leiter einer Selbsthilfegruppe zu finden. „Daher bauen wir seit Jahren neben Präsenz-Weiterbildungen und Seminaren konsequent unseren Auftritt im Internet und Sozialen Medien aus. Per Videokonferenz-Programmen gestalten Aphasiker Sendungen für Aphasiker und Nicht-Aphasiker. Auf YouTube stehen Filme über uns und unsere Aktivitäten und bei Instagram und Facebook vernetzen wir uns mit Betroffenen und ihren Angehörigen. Doch ganz wichtig ist uns, dass wir uns auch persönlich weiter treffen. Und selbstverständlich unterstützen wir jeden, der eine eigene Selbsthilfegruppe in Bayern aufbauen will“, sagt Thomas Loch.

Quelle: Aphasie Bayern

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