Bad Königshofen    Sekt oder Selters – anderes gibt es für den TSV Bad Königshofen in der TTBL (Tischtennis-Bundesliga) anscheinend nicht. Wenn von zwölf Teams vier das Play-Off-Halbfinale erreichen und zwei absteigen, bleibt für sechs das Mittelfeld, in dem sie  Kontakten nach unten ausweichen bzw. nach oben welche  herstellen wollen. Um Letzteres geht es für den TSV Bad Königshofen diesen Sonntag um 15 Uhr in der Shakehands-Arena, wo zum fünften Mal das bayerisch-hessische Derby gegen den TTC Fulda-Maberzell  ausgetragen wird. Dabei geht es für beide um dasselbe, diesen Play-Off-Platz 4, der momentan noch von Fulda besetzt wird.
Vor ein paar Wochen noch mussten die Königshöfer um den Klassenerhalt fürchten, weil mit Bastian Steger und Maksim Grebnev der halbe Kader ausfiel. Steger fehlte bis heute in sieben Spielen, Grebnev kam nach zwei zurück und konnte besonders in den Doppeln  dem Team sehr helfen. In den Einzeln (Gesamtbilanz 3:10) gibt es noch Luft nach oben. Die meisten seiner Niederlagen bezog er nach eigenen Führungen mit 2:3. Doch das verbliebene Trio vollzog eine erstaunliche Entwicklung, brach nicht unter der Last ein, selbst nach zunächst drei Niederlagen in Folge nicht.  Es zog sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf und holte vier Siege hintereinander.
Während man nach jenen drei Niederlagen Schlimmstes befürchten und annehmen musste, ohne Steger sei der TSV in dieser Liga nicht konkurrenzfähig, verteilte man die Verantwortung auf sechs Schultern und besann sich jeder seiner eigenen Stärken. Fast könnte man vermuten, man hätte sich zuvor zu sehr hinter dem Frontmann Steger (Bilanz 12:7) versteckt und auf dessen vermeintlich sicheren Punkte gehofft. Dann aber rückte in dieser gefährlichsten Phase der fünf Bundesligajahre die Mannschaft zusammen und wuchs über sich hinaus. Teamgeist kann bei nur vier Einzelsportlern einfach, aber auch schwierig sein. Wer sich ein Bild von der homogenen Truppe machen wollte, konnte sie nach dem Sieg gegen Saarbrücken in einer Ecke der Arena beim Pizza-Essen und mit den Ping-Pong-Ultras ganz entspannt feiern sehen.
Woran lag der Wandel? Kilian Ort (11:8) schlüpfte in Stegers Leaderrolle, übernahm höchstmögliche Verantwortung und zeigte mitunter Spiele in der Bestform seiner Laufbahn. Herausragend das 3:0 gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Darko Jorgic, Nr. 17 der Weltrangliste, womit er die Tür zum 3:2-Erfolg gegen den Pokalsieger Saarbrücken öffnete.
Auch Filip Zeljko brachte sich spielentscheidend mit ein, verbesserte seine individuelle Bilanz (5:10) so gut wie nie. Beim 3:2 gegen Neu-Ulm war er der Türöffner mit dem 3:2 gegen Sidorenko. Und Maksim Grebnev nahm besonders gegen seinen neuen Arbeitgeber TTC Neu-Ulm dem Publikum jeden Zweifel an seiner Loyalität bis zum letzten Ballwechsel beim TSV. Das Schlussdoppel gewann er zusammen mit Zeljko gegen das eingespielte Duo Katsman/Sidorenko.  Kommt Steger baldmöglichst zurück, könnten auf einmal wieder die kühnsten Träume reifen. Immerhin konnte der TSV mit ihm das Hinspiel am 19. Dezember mit 3:2 für sich entscheiden.
Vier jener sieben Spiele verfolgte der Basti aus der Isolation heraus in seinem Düsseldorfer Domizil. Beim fünften und sechsten in Bad Homburg bzw. gegen Saarbrücken vertrat er Itagaki als Coach. Beim siebten gegen Neu-Ulm lief er schon als Ersatzmann ein. Diese Woche lief alles darauf hinaus, dass er am Sonntag wieder einsatzfähig ist. Der Profi kennt sein Kapital, seinen Körper, am besten, um die richtige Entscheidung zu treffen. Von null auf hundert wird auch ihm nicht so leicht von der Hand gehen. In Fulda holte er zwei Drittel der Punkte mit Siegen gegen Fan Bo Meng und Quadri Aruna. Grebnev unterlag gegen Aruna und Ort gegen den Neuzugang Alexandre Cassin aus Frankreich. Ort/Grebnev holten den dritten Punkt. Mit Aruna (15:8) und Cassin (14:5) bietet Fulda zwei der stärksten Spieler der Liga auf. Ruwen Filus ist immer noch ein unbequemer Abwehrspezialist, aber ebenso wie Fan Bo Meng mit negativer Bilanz.
Bis Freitag (Spiel in Bad Homburg bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) belegte Fulda diesen begehrten, von Bad Königshofen nie erreichten Play-Off-Platz 4 (20:14), der TSV steht bei 18:18. „Für uns ist jetzt jedes Spiel ein Endspiel“, sagte Andy Albert schon, als es um den Klassenerhalt ging. Jetzt geht es um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Maximal 400 Zuschauer sind unter Aufhebung mehrerer Kontaktbeschränkungen zugelassen und von Albert sehnlichst gewünscht. Wobei „das Glas immer noch halb leer“ wäre. Karten gibt es auch an der Tageskasse.

Quelle: TSV Bad Königshofen

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