Abwärtstrend auf dem mainfränkischen Ausbildungsmarkt verlangsamt sich 
Würzburg/Mainfranken – In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der neueingetragenen Ausbildungsverträge in IHK-Berufen kontinuierlich gesunken. Zum neuen Ausbildungsjahr 2022 zeichnet sich nun eine leicht positive Entwicklung ab. Mit insgesamt 3.102 neuen Ausbildungsverträgen zum 30. September 2022 hat die IHK nur noch 1,5 Prozent weniger Verträge registriert als im Vorjahreszeitraum. In den zurückliegenden Jahren hatte der Rückgang bei 4,2 bzw. 14,0 Prozent gelegen.
Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres zieht die IHK Würzburg-Schweinfurt eine ambivalente Bilanz. Der Bedarf der Betriebe an Auszubildenden ist enorm und kann mit vorhandenen Bewerbern alleine nicht gedeckt werden – ein großes Problem für die Betriebe. Es gibt aber auch positive Signale. „Die negative Tendenz der vergangenen Jahre hat sich abgeschwächt“, berichtet Dr. Lukas Kagerbauer, Bereichsleiter Berufsausbildung bei der mainfränkischen IHK. Die umfassenden Maßnahmen zur Berufsorientierung, die zahlreichen Messen, die wieder in Präsenz stattfinden konnten und die Möglichkeiten für Praktika würden sich positiv bemerkbar machen, findet Kagerbauer. „Die Jugendlichen werden wieder aktiver und legen in kleinen Schritten die Zurückhaltung und Verunsicherung der Vorjahre ab.“
Weiter gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz
Für die Betriebe hat die Akquise von Auszubildenden allerhöchste Priorität. Fachkräftesicherung beginnt für die Betriebe bereits bei der Ausbildung. „Der Fachkräftemangel ist schon heute, gemeinsam mit Lieferkettenproblemen und Rohstoffmangel, das größte wirtschaftliche Risiko.“ Mit wachsendem Druck für die Betriebe, steigen jedoch gleichzeitig die Auswahlmöglichkeiten für die Jugendlichen. So ist der Beginn einer Ausbildung in diesem Jahr auch in den nächsten Wochen noch möglich. Es gibt in nahezu allen Berufen noch freie Ausbildungsstellen. Hier lohne sich ein Blick in die IHK-Lehrstellenbörse (www.ihk-lehrstellenboerse.de), rät Kagerbauer.
Ein Blick ins Detail: Rückgänge verzeichnet die IHK hauptsächlich in den kaufmännischen Berufen. Hier wurden insgesamt 118 Verträge weniger registriert als im Vorjahr. In den gewerblich-technisch zugeordneten Berufen wurden dagegen 70 Verträge mehr als im Vorjahr verzeichnet.
TOP 5 der am meisten ausgebildeten IHK-Berufe in Mainfranken

1. Verkäufer/-in (243 Verträge)
2. Fachinformatiker/-in – neue AO (239 Verträge)
3. Kaufmann/-frau für Büromanagement (238 Verträge)
4. Kaufmann/-frau im Einzelhandel (221 Verträge)
5. Industriemechaniker/-in (164 Verträge)
Gutes tun – und darüber reden
„In jeder Krise liegt auch eine Chance. Die IHK empfiehlt den Betrieben daher, die Situation zu nutzen, um das Ausbildungsmarketing zu verstärken und die sozialen Medien als Kommunikationsmittel zu nutzen. Die Vielzahl der mainfränkischen Betriebe habe diese Notwendigkeit erkannt und gehe neue Wege, die deutlich über Prämien wie ein eigenes Diensthandy oder sogar einen Firmenwagen hinausgehen würden, erklärt Kagerbauer. Aus einer aktuellen Umfrage unter den mainfränkischen IHK-Ausbildungsbetrieben geht hervor, dass einige Firmen sogar flachere Hierarchien aufbauen, um die junge Generation auf Augenhöhe einzubinden. „Es gibt viele Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, die unser Leben und die Welt ein Stückchen besser machen“, führt Kagerbauer aus. Genau diese Sinnhaftigkeit gelte es noch stärker nach außen zu tragen. Denn wer Gutes tue, der sollte auch darüber sprechen.
IHK verbindet Betriebe und Bewerber – persönlich und digital
Die IHK unterstützt das Matching zwischen Betrieben und Bewerbern auf verschiedenen Wegen. Neben der persönlichen Beratung der Ausbildungs- und Fachkräfteberater konnten sich die Jugendlichen mit der „MIA-App – Meine IHK-Ausbildung!“ im Speed-Dating-Stil einen Ausbildungsplatz sichern. Knapp 200 Ausbildungsunternehmen aus der Region Unterfranken haben weit über 800 offene Ausbildungsstellen eingestellt. Die Hürde der Kontaktaufnahme zu Ausbildungsbetrieben war damit äußerst gering. Die Aktion wird es auch im kommenden Jahr wieder geben.

Quelle: HK Würzburg-Schweinfurt

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