Es war ein wahrlich epischer Kampf, in dem es um so viel und hin und her ging. Eine Nervenschlacht über dreieinhalb Stunden, nichts für Herzkranke. Der TSV Bad Königshofen war so nah dran und auf einmal doch gefühlt weit weg im Duell des Achten gegen den Siebten. Es lief wie geschmiert und sah den Gastgeber nach fast drei Stunden schon mal als Sieger bereit zum Platztausch. Filip Zeljko hatte den Russen Vladimir Sidorenko in fünf Sätzen nieder gerungen. Und so sehnte die Fan-Seele bei der bombastischen Form von Kilian Ort dessen sechsten Einzelsieg hintereinander herbei. Es ging ja „nur“ gegen den für Tiago Apolonia eingesprungenen Ersatzmann Ioannis Sgouropoulos, amtierender U21-Europameister aus Griechenland. Doch gegen den hatte er sich in der Vergangenheit mehr als ein Mal die Zähne ausbissen. Ort unterlag in einer von der Taktik geprägten Ermüdungsschlacht in fünf Sätzen, so dass Zeljko/Grebnev gegen die amtierenden Doppel-Europameister aus Russland Katsman/Sidorenko die Kastanien aus dem Feuer holen – und eigentlich keine Chance haben sollten. Doch genau die nutzten sie.
Womit der TSV sein Punktekonto (18:18) ausgeglichen hat, den Klassenerhalt in trockenen Tüchern und getrost und unaufgeregt die Play-Offs ins Visier nehmen kann. Bastian Steger war vom Corona-Rehabilitierten zum coachenden „Ersatzmann“ aufgestiegen, und Kilian Ort übernahm Verantwortung an Position eins – nachvollziehbar bei seiner aktuellen Glanzform. Den russischen Linkshänder Lev Katsman zermürbte er in vier Sätzen. Nach der Verschnaufpause (5:11) im dritten Satz, dem ersten seit langem verlorenen, machte er im vierten mit 11:3 die 1:0-Führung für sein Team dicht.
Dann bekam es Maksim Grebnev mit dem Neu-Ulmer Tiago Apolonia, 13:6-Bilanz und ehemaliger Team-Europameister aus Portugal, zu tun. 2:0 führte er bereits nach Sätzen, drauf und dran, vorzeitig den Eckpfeiler für den vierten TSV-Sieg in Serie zu setzen. Im zweiten Satz berauschte sich „Maxi“ vor lauter Spielfreude gleich zwei Mal hintereinander mit um den Rücken herum geschlagenen, erfolgreichen Bällen. Um, wer weiß, für seinen jugendlichen Übermut noch Lehrgeld zahlen zu müssen. Oder war es das Wechsel-Syndrom? Er spielte gegen seinen zukünftigen Verein. 6:11/6:11/3:11 verlor er die Sätze drei bis fünf und das Spiel – 1:1 zur Pause. Wer Schräges vermutete, wurde im Schlussdoppel eines Besseren belehrt.
Sollte Filip Zeljko etwa zum Matchwinner mutieren, der nicht gerade von großer Nervenstärke getragen wird, zuletzt aber einige Male positiv überraschte? Sein Fight im Dreier-Einzel gegen Sidorenko war durch und durch Aufschlag-orientiert, mit kurzen Ballwechseln, von der Taktik geprägt, von der keiner abweichen wollte. Der Kroate, der gern auch ein achtes Jahr für den TSV spielen möchte, lieferte fürwahr schlagkräftige Argumente. Die knappen Sätze eins und drei verlor er, die anderen drei gewann er deutlich und belohnte sich für seine tolle Entwicklung mit seinem fünften Saisonsieg. Jetzt kam es also, dieses ominöse Spiel des Kilian Ort gegen Sgouropoulos, dessen Einwechslung dem Vernehmen nach der lädierten Schulter von Apolonia geschuldet war, der schließlich sein Einzel gewonnen hatte. Vielleicht lag es aber auch an der Vorgeschichte mit den Duellen von Ort mit dem Griechen.
Es war letztendlich ein verdammt schweres Stück Arbeit für beide, ein Nervenspiel nicht nur im dritten Satz (17:15). Nichts für Ästheten, sondern eine taktische Abnutzungsschlacht, dem besseren Start (2:1 Sätze) von Ort und dem besseren Ende (3:2) für den Griechen. Wohl dem, der so einen Ersatzmann aus dem Ärmel zaubern kann. Also musste die Königshöfer Kombination Zeljko/Grebnev ins finale Doppel gegen die frisch gebackenen Europameister Sidorenko/Katsman. Sie hatten erst ein Mal zusammen ein TTBL-Doppel bestritten, und nun gegen diese zwei jungen Russen, die sich seit ewig kennen und bestens eingespielt sind. Und doch schafften sie mit der tosenden Unterstützung des Publikums die Sensation und rockten die Shakehands-Arena.
Ergebnisse:
Kilian Ort – Lev Katsman3:1
(11:9/11:5/5:11/11:3)
Maksim Grebnev – Tiago Apolonia 2:3
(11:9/11:5/6:11/6:11/3:11)
Filip Zeljko – Vladimir Sidorenko 3:2
(9:11/11:7/9:11/11:7/11:8)
Ort – Ioannis Sgouropoulos 2:3
5:11/17:15/11:8/9:11/6:11)
Zuschauer: 201  

Quelle: TSV Bad Königshofen

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