Rund 1.130 Beratungsgespräche und viele dankbare Klienten
Es ist ein Schicksal, das Mia (Name geändert) bundesweit mit rund 32.000 Kindern und Jugendlichen teilt – und doch ist es für jede einzelne Familie eine große Herausforderung: Die Dreijährige aus dem Landkreis Bad Kissingen leidet unter Diabetes (Typ 1), ihr Körper kann kein Insulin produzieren. Aufgrund der Krankheit wurde ihr ein Grad der Behinderung (GdB) anerkannt sowie Pflegegrad 1 zugesprochen. Allerdings schwanken Mias Blutzuckerwerte so stark, dass sie im Kindergarten zusätzlich eine Assistenzkraft benötigt. Denn sowohl die Mahlzeiten als auch die Insulingabe müssen ständig angepasst werden, im Fall einer Unterzuckerung heißt es: sofort handeln!
Die Eltern stellten beim Bezirk Unterfranken einen Antrag für eine Assistenzkraft. Von dort wurde der Antrag an die Krankenkasse weiter geleitet – und abgelehnt. Verzweifelt machten sich die Eltern auf die Suche nach Unterstützung und stießen dabei auf den Pflegestützpunkt des Landkreises Bad Kissingen. Nach einem ersten telefonischen Beratungsgespräch schöpften die Eltern zum ersten Mal seit langem wieder Hoffnung.
Der Pflegestützpunkt startete im Januar 2021, und der Zuspruch zu seinen Angeboten war von Beginn an außerordentlich groß, berichtet Cordula Kuhlmann, Leiterin des Sachgebiets Regionalentwicklung/Regionalmanagement. „Egal ob zu den Einzelberatungen, zu Veranstaltungen oder Netzwerktreffen, überall bekommen wir positive Rückmeldungen. Das zeigt uns, dass wir mit den Angeboten richtig liegen.“
Als Beraterinnen konnte der Landkreis drei qualifizierte Mitarbeiterinnen gewinnen, sie arbeiten jeweils in Teilzeit. Alle drei verfügen über langjährige Erfahrung in der Pflege bzw. im Gesundheitswesen und haben zudem eine Weiterbildung zur Pflegeberaterin absolviert. Die Beratung ist neutral und kostenfrei und richtet sich sowohl an Privatpersonen als auch an Fachpersonal.
„Uns war klar, dass im Landkreis Bad Kissingen ein großer Beratungsbedarf in Bezug auf Pflege vorhanden ist – aber von der riesigen Nachfrage waren wir dann doch überrascht“, erzählt Daniela Wehner. Die Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen ist selbst im Team des Pflegestützpunkts und koordiniert dieses.
Insgesamt 1.129 Beratungsgespräche führten die drei Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr, „überwiegend haben sich Angehörige und Bekannte sowie die Pflegebedürftigen selbst an uns gewandt“, so Wehner. Wenig überraschend dabei die Tatsache, dass der weit größte Teil der Menschen, die Pflege benötigen, älter als 70 Jahre ist. „Aber wir beraten eben auch immer wieder Familien von Kindern und Jugendlichen, die pflegebedürftig sind.“ Dabei führte das Team auch knapp 50 Hausbesuche durch, natürlich unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen. „Es ist manchmal unerlässlich, dass wir uns ein Bild vor Ort machen“, sagt Wehner. „Nur so können wir einschätzen, inwiefern es möglich ist, die Wohnung oder das Haus barrierefrei zu gestalten. Hier können wir auch die Wohnberatung oder andere Fachbereiche hinzuziehen, sozusagen auf dem kurzen Dienstweg. Denn diese Kompetenzen bündeln wir im Haus.“
Das Thema, das die Klienten am meisten bewegt, ist Demenz. „Verbunden mit der Frage, wo und wie man einen Pflegegrad bzw. Grad der Behinderung beantragen kann und welche Leistungen einem in diesem Zusammenhang zustehen“, erläutert Wehner. „Es melden sich auch immer wieder Bürgerinnen und Bürger bei uns, die sich um einen Mitmenschen sorgen, der ihrer Meinung nach Hilfe braucht.“ In solchen Fragen arbeitet das Team des Pflegestützpunkts eng mit dem Gesundheitsamt und der Betreuungsstelle zusammen.
Menschen zu beraten, ist ein Schwerpunkt der Tätigkeit, allerdings nicht der einzige, sagt Tanja Büchs. „Ganz wichtig ist für uns auch die Netzwerkarbeit: Wir schließen uns mit den unterschiedlichen Anbietern der ambulanten und stationären Altenhilfe zusammen, mit den Sozialdiensten und vielen weiteren. Nur so können wir unser Angebot vielseitig und vor allem auch neutral gestalten.“
Eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Vertretern des Bezirks Unterfranken, der Kranken- und Pflegekassen, des Landkreises sowie des Pflegestützpunkts, kommt zudem regelmäßig zusammen und berät unter anderem über Versorgungsengpässe. „Das ist ganz wichtig um zu sehen, in welchen Bereichen welche Maßnahmen ergriffen werden müssen und ob Änderungen nötig sind, die man nicht in eigener Zuständigkeit treffen kann“, erklärt Cordula Kuhlmann. Gerade im Bereich der Pflege gebe es unzählige Gesetze und Vorgaben. „Sich durch diesen Dschungel zu kämpfen, kostet immer viel Zeit. Deshalb würden wir uns wünschen, dass die Vorgaben praxisgerechter werden. In unseren bayernweiten Netzwerken versuche ich, auch hier Verbesserungen zu erzielen.“ Der ein oder andere Etappenerfolg sei bereits gelungen, „aber wir bleiben weiter am Ball.“
Landrat Thomas Bold lobt das große Engagement des Pflegestützpunkt-Teams. „Das sind Mitarbeiterinnen mit einem großen Erfahrungshorizont, die gemeinsam viel bewegen. Es ist beeindruckend, was sie alleine im ersten Jahr geschafft haben.“ Gerade im Landkreis wie Bad Kissingen, in dem der Anteil älterer Menschen relativ hoch ist, nehme das Angebot des Pflegestützpunkts einen hohen Stellenwert ein. „Drei Jahre haben die Vorbereitungen zu diesem umfassenden Angebot in Anspruch genommen. Aber wir sind diesen Weg gerne gegangen, denn wir lassen unsere Bürgerinnen und Bürger nicht allein.“
Das zeigt auch die Tatsache, dass der Pflegestützpunkt ab dem Frühjahr Außensprechstunden in Wildflecken und Bad Brückenau anbietet. „Gerade in einem Flächenlandkreis wie unserem ist es wichtig, dass wir auf die Menschen zugehen. Jeder soll Zugang zu Leistungen haben, unabhängig davon, wo er wohnt“, betont Beraterin Barbara Boessenrodt. Für sie und ihre Kolleginnen ist die Dankbarkeit der Klienten der größte Lohn. „Es ist jedes Mal ein tolles Gefühl, wenn wir helfen konnten und die Erleichterung in den Gesichtern der Menschen sehen oder eine entsprechende Rückmeldung bekommen.“
Auch im Fall der kleinen Mia konnte das Team vom Pflegestützpunkt helfen:  Gemeinsam mit der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) und mit Hilfe eines Fachanwalts konnte ein Eilantrag am Gericht gestellt werden, das Ergebnis: Der Dreijährigen wurde eine Assistenzkraft genehmigt. Für die Eltern eine große Erleichterung.
Pflegestützpunkt Landkreis Bad Kissingen
Der Pflegestützpunkt ist zentrale Anlaufstelle für Fachleute und ratsuchende Menschen, die Orientierung und Unterstützung in Bezug auf eine Pflegesituation benötigen. Der Pflegestützpunkt bietet den ratsuchenden Menschen niederschwellig, unabhängig und kostenfrei Rat und Unterstützung „aus einer Hand“ rund um eine Pflegesituation. Der Pflegestützpunkt fungiert dabei als Wegweiser, Lotse und Informationengeber. Der Pflegestützpunkt arbeitet eng mit Leistungserbringern zusammen und stimmt sich mit diesen ab.
Pflegestützpunkt Landkreis Bad Kissingen
Landratsamt Bad Kissingen | Obere Marktstraße 6 | 97688 Bad Kissingen
Tel: 0971/801-5300
Um Terminvereinbarung wird gebeten, Beratungstermine im Landratsamt sind aufgrund der Coronasituation nur nach Terminvereinbarung möglich. Außerhalb der Öffnungszeiten können zusätzlich Termine für eine Beratung oder in begründeten Einzelfällen auch für Hausbesuche vereinbart werden.
Öffnungszeiten:
Mo/Mi/Fr: 10.00 – 12.00 Uhr
Di: 14.00 – 16.00 Uhr
Do: 10.00 – 12.00 und 13.00 – 15.00 Uhr
Mehr Informationen: www.kg.de/pflegestuetzpunkt | E-Mail: pflegestuetzpunkt@kg.de
Quelle: Landratsamt Bad Kissingen
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