Akito Debüt und Kilians Comeback

Es hätte ein epischer Sieg werden können für den TSV Bad Königshofen, wurde „nur“ eine ehrenvolle Niederlage, aber ein wirklich starker Auftritt des schwerst gehandicapten Gastgebers. Und es passte auch durchaus ins Bild dieses keineswegs verlorenen Nachmittags die Gedenkminute für den verstorbenen Freund des Königshöfer Tischtennis Gerhard Weigand, Stammgast in der Shakehands-Arena. Bei den überraschend doch komplett angetretenen Gästen aus dem Oberbergischen war die Quarantäne von Olympiateilnehmer Benedikt Duda allem Anschein nach rechtzeitig vor diesem Spiel zu Ende. Während Bastian Steger noch mit Symptomen passen musste.
Der Hallensprecher Jürgen Halbig nannte es den „GAU“, den größten anzunehmenden Unfall. Und den „Super-GAU“ dass sich auch Maksim Grebnev eine Sprunggelenksverletzung zugezogen hatte, die ihn zum Zuschauen zwang. Das epische Element lag aber darin, dass diese gebeutelte Restmannschaft eigentlich schon am Boden war und durch das überragende Comeback von Kilian Ort, ein wirklich würdiger Einser an diesem Tag, wieder aufstand.  
Eigentlich feierte Ort sogar drei Comebacks. Er war in seinem ersten und zweiten Einzel eigentlich schon fast weg, beide Male vor einem riesengroßen Loch, dem er im großen Bogen auswich und noch gewann. Und damit zumindest mental die Voraussetzung geschafft haben sollte, dass es für ihn selber ein Comeback in seiner Entwicklung werden könnte. Das kann auch er, bei aller Selbstkritik, nicht vom Tisch wischen.
Schließlich wurden die rund 150 Zuschauer Zeuge eines Debüts von Akito Itagaki als Bundesligaspieler. Vielleicht werden sie tatsächlich eines Tages sagen können, „ich war dabei, als er mit 16 erstmals in der TTBL für den TSV antrat.“ Viel zu früh eigentlich und, auf sein derzeitiges Niveau bezogen, eins bis zwei Klassen zu hoch. „Aber eines Tages ganz klar mein Ziel“, wie er unmittelbar nach seinem Einzel bekannte und hinzufügte, wie vom Papa, dem Headcoach Koji Itagaki, bei aller Trainingsintensität aufgetragen: „Ich hab´ ja noch so viel Zeit.“ 
Dass es noch, für die  allgegenwärtige Sport-Tristesse in der Region, ein so überragender Sport-Sonntagnachmittag wurde, hätte man nach drei Sätzen des ersten Einzels nicht laut auszusprechen gewagt. Kilian Ort lag gegen den Gäste-Zweier Alberto Mino (31) aus Ecuador mit 1:2 zurück, verlor den zweiten Satz mit 3:11 und lag im vierten 7:10 hinten. Da öffnete es sich zum ersten Mal vor ihm, jenes Loch, in das er mit seiner angekratzten Form der letzten Wochen zu stürzen drohte, mit wer weiß welchen Folgen, für ihn und seinen Heimatverein. Doch der „Killy“ gewann noch mit 3:2 und schickte Akito Itagaki gegen Duda in den Ring, seine erste Lektion in Sachen TTBL zu bekommen. 
Der Weltranglisten-42. gegen den Deutschen Meister für U15-Mannschaften, der in keiner googlebaren WR-Liste geführt wird. Sein Lehrer in der Realschule wird ihm morgen dasselbe bestätigen wie die gefühlvoll unterstützenden Zuschauer: „Gut gemacht, Akito.“ Elf Punkte hat er gegen den Deutschen Meister der letzten zwei Jahre geholt, zusammengerechnet in drei Sätzen. „Ich habe nicht viel geschlafen die letzte Nacht“, gestand er. „Ich hatte mir vorgenommen, immer noch einen Punkt mehr zu holen, egal wie es steht. An einen Satzgewinn hatte ich natürlich nicht gedacht, bin aber zufrieden.“
Was hätte Filip Zeljko für ein Bewerbungsschreiben für eine weitere, die achte Saison beim TSV abgeben können, hätte er den Spanier Alvaro Robles, WR-62., schlagen und seine Mannschaft in die Siegesspur führen können. Das Zeug dazu hätte er in der Tat, spielte auf Augenhöhe, aber nicht mit der selben Konstanz und mehr leichten Fehlern mit schwerwiegenden Folgen als sein Gegenüber. Aus diesen Gründen gewann der Vizeweltmeister im Doppel von 2019 auch verdient mit 3:1. Die prächtigsten Ballwechsel gab es dabei im vierten Satz, als es den Bach runter ging.
Dann war, der Statistik und der direkten Bilanz Beider nach, das letzte Spiel des Tages zu befürchten. Kilian Ort verlor auch die ersten zwei Sätze im Einser-Duell gegen Benedikt Duda klar, verbreitete aber Hoffung mit dem 11:5 im dritten. Im vierten drohte er an einfachen Schupf-Fehlern zu verzweifeln. Als es 7: 10 stand und Duda drei Gesamtmatchbälle hatte, mochte man Kilian Ort wenigstens einen weiteren kleinen Schritt zurück zu Kilian Ort bestätigen. Doch dann legte er los wie die Königshöfer Feuerwehr auf dem Weg zur Brandstelle. Voreilige hatten bereits den Anorak zum Gehen angezogen, doch Kilian wehrte gar vier Matchbälle ab und gewann mit 14:12, den fünften Satz wie im Rausch mit 11:2. 
Jetzt durfte Akito Itagaki sogar im Doppel ran, machte an der Seite von Filip Zeljko eine noch bessere Figur als im Einzel. Zum epischen Wunder kam es aber nicht. Dass es doch die vierte Niederlage in den letzten fünf Spielen gab, das war am Ende dieses mitreißenden Tischtennis-Spektakels völlig aus dem Blickfeld geraten.
TSV Bad Königshofen – TTC Schwalbe Bergneustadt 2:3
Ergebnisse:  
Kilian Ort – Alberto Mino 3:2
(11:7/7:11/3:11/11:5/11:7)
Akito Itagaki – Benedikt Duda 0:3
(4:11/2:11/5:11)
Filip Zeljko – Alvaro Robles 1:3
(7:11/11:8/8:11/7:11)
Kilian Ort – Benedikt Duda 3:2
(5:11(7:11/11:5/14:12/11:2)
Zeljko/Itagaki – Robles/Mino 0:3
(5:11/11:13/8:11)
Zuschauer: 150

 

Quelle: TSV Bad Königshofen

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