Rundgang im Krankenhaus. Gesprächsrunde auf der Intensivstation: (v.l.) Pflegedirektor Stefan Werner, Stadtrat Ralf Hofmann, MdB Mario Hümpfer und Fachbereichsleiter Thomas Seufert. Fotos: Von Kathrin Kupka-Hahn

Ist es sinnvoll, was wir da in Berlin machen? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Diese und viele weitere Fragen stellte der Bundestagsabgeordnete Markus Hümpfer (SPD) am vergangenen Dienstag bei seinem Antrittsbesuch im Krankenhaus St. Josef. Begleitet wurde der 29-Jährige von Ralf Hofmann, dem Fraktionsvorsitzenden der SPD im Schweinfurter Stadtrat, und von Bernadette Rümmelin, der Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschland (KKVD), die den Besuch initiiert hatte.
Alle neuen Bundestagsabgeordneten, die in ihren Wahlkreisen ein katholisches Krankenhaus haben, waren bei Amtsantritt im Herbst 2021 von Rümmelin angeschrieben und zu einem Termin eingeladen worden – mit dem Ziel, die Diskussion mit den Gestaltern vor Ort und den Austausch anzuregen. Ein Plan der im Krankenhaus St. Josef aufging. Denn nicht nur die Vertreterinnen und Vertreter der Krankenhausleitung und des Trägers, der Kongregation der Schwestern des Erlösers, nutzten diese Gelegenheit, auch die Mitarbeitenden des Krankenhauses taten es.
Auf der Intensivstation fand Fachbereichsleiter Thomas Seufert sehr deutliche Worte und schilderte Hümpfer, Hofmann und Rümmelin seine Erfahrungen und Eindrücke der vergangenen zwei Jahre mit der Corona-Pandemie. „Mein Wunsch an die Politik ist, dass die Pflege im Allgemeinen und die Arbeit, die die Pflegenden leisten, aufgewertet wird“, antwortete der Intensivpfleger, als er von dem Bundestagsabgeordneten nach einem konkreten Wunsch gefragt wurde. Es ginge dabei, so Seufert weiter, nicht nur um ein angemessenes Gehalt. Vielmehr müsse die Pflegerelation – wie viele Patienten eine Pflegekraft zu versorgen hat – verbessert werden. Dieser Forderung stimmte auch Pflegedirektor Stefan Werner zu: Die bestehenden Vorgaben, auch was die Pflegebedarfsbemessung und ihre Untergrenzen anbelangt, seien nicht mehr zeitgemäß.
Mit welchen räumlichen und bürokratischen Herausforderungen er und sein Team in der Zentralen Notaufnahme zu kämpfen haben, erfuhren die Besucher von Chefarzt Christian Knöchlein. Anschließend besuchten Rümmelin, Hofmann und Hümpfer die Abteilung Akutgeriatrie, die jüngste Station des Krankenhauses St. Josef. Hier stand das ThemaAltersmedizin im Mittelpunkt und welche Anforderungen an ein Krankenhaus damit verbunden sind.
Sichtlich beeindruckt kehrten die Besucher von ihrem Rundgang mit Krankenhausdirektor Norbert Jäger und Schwester Lydia Wießler, der Ordensbeauftragten, zurück. In der sich anschließenden Gesprächsrunde mit der Generaloberin der Kongregation der Schwestern des Erlösers, Schwester Monika Edinger, und ihrem Geschäftsführer Martin Stapper wurdenzahlreiche Themen besprochen, unter anderem die geplante Erweiterung des Krankenhauses. Hümpfer zeigte sich erfreut darüber, dass der Träger beabsichtigt zu investieren und betonte, dass beide Krankenhäuser in Schweinfurt sichere Standorte seien.
Für weiteren Gesprächsstoff sorgte der Austausch über die Ausgleichzahlungen durch Corona, die im Koalitionsvertrag festgelegte Anpassung des kirchlichen Arbeitsrechts und dieÖkonomisierung des Gesundheitswesens. Hierzu bezog die Geschäftsführerin des KKVDganz klar Stellung: „Wir brauchen mehr Pflegepersonal, um den Bedarf an gesundheitlichen Dienstleistungen bei einer alternden Gesellschaft decken zu können.“ Regionale Strukturen müssten neu gedacht werden, auch, was alles in ein Pflegebudget hineingerechnet werden soll. Zudem sollte überlegt werden, ob bestimmte Aufgaben nicht von Hilfskräften übernommen werden können. „So wird die Pflege professionalisiert und unterstützt“, bekräftigte Rümmelin. Von den Politikern wünsche sie sich, dass diese sich über Fraktionsgrenzen hinweg, ja sogar über die Legislaturperiode hinaus und ohne bestimmte Interessen zu berücksichtigen zusammensetzen und Lösungen erarbeiten.
Markus Hümpfer wollte schließlich von den Anwesenden wissen, wie sie zur Impfpflicht stehen. „Ich bin für eine allgemeine Impfpflicht“, sagte Martin Stapper und fügte hinzu: „Denn nicht wir im Gesundheitswesen sind Pandemietreiber“. Krankenhausdirektor Norbert Jäger belegte dies mit Zahlen und sagte, dass über 90 Prozent der Mitarbeitenden im Krankenhaus St. Josef geimpft sind. „Die Impfbereitschaft hier im Haus ist sehr hoch“, bestätigte auch Schwester Lydia. Bernadette Rümmelin zeigte ebenso wie alle anderen Verständnis dafür, dass die Bundestagsabgeordneten eine schwierige Diskussion und keine leichte Entscheidung haben werden. „Wenn es keine Mehrheit für die allgemeine Impfpflicht geben wird, dann muss die einrichtungsbezogene fallen“, gab sie Hümpfer mit auf den Weg.
Der Bundestagsabgeordnete bedankte sich zum Abschied für die vielen Eindrücke und die interessanten Antworten auf die eingangs gestellten Fragen. „Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir regelmäßig in Kontakt bleiben“, fügte er hinzu.
Information: Alle genannten und beteiligten Personen haben die in der Besuchsregelung genannten Anforderungen 2G-Plus erfüllt. Sie alle waren nachweislich gegen Corona geimpft und wurden zusätzlich vor Ort getestet bzw. konnten einen gültigen negativen Corona-Test vorlegen.

Quelle: St. Josef

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