Der Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022
Der Wiedehopf hat dem Punk etwas voraus: Er kann seine orangenen Scheitelfedern mit den schwarzen Spitzen spreizen und einklappen, das tut er vorwiegend, wenn er aufgeregt ist oder auf dem Boden landet. Der Punk hingegen bekommt seine schrille Frisur nur mit viel Haarspray hin und das mit dem Einklappen – Aufregung hin oder her – das klappt gar nicht. Eine Jury aus Fachleuten und Öffentlichkeit kürte den Wiedehopf (Upupa epops) aber nicht wegen seines Gefieders auf dem Kopf zum Vogel des Jahres 2022. Der Vogel kam mit 45.523 Stimmen, das entspricht 31,9 Prozent, auf Platz Eins. Knapp 143.000 Vogelfreunde hatten sich an der öffentlichen Wahl beteiligt. Auf Platz Zwei flatterte die Mehlschwalbe (24,4 Prozent) und auf Platz Drei landete der Bluthänfling (19,9 Prozent). Bei der Auswahl zum Vogel des Jahres gelten Kriterien wie die Gefährdung der Art oder ihres Lebensraumes durch den Menschen. Manche Vogelart kam deshalb schon mehrfach zum Zug: Der Weißstorch (1984, 1994), der Eisvogel (1973, 2009) und die Feldlerche (1998, 2019). Jetzt also der Wiedehopf.
Stinken wie ein Wiedehopf
„Der Vogel brütet ganz vereinzelt in Unterfranken, 2021 gab es in Bad Kissingen wieder einmal eine Brut des Wiedehopfs. Häufiger zu finden ist er aber in Ostdeutschland“, sagt Matthias Franz von der Unteren Naturschutzbehörde. In den kommenden Jahren, so Franz, sollen Nistkästen an geeigneten Stellen ausgebracht werden, um dem Vogel zu helfen sich wieder anzusiedeln. Vielen Menschen bekannt sein dürfte die Redewendung „Du stinkst wie ein Wiedehopf“, sie hat ihren guten Grund. Dank eines übel riechenden Sekrets, das sie bei Gefahr aus ihrem Bürzel ausscheiden, gelingt es jungen Vögeln und Weibchen Feinde und dazu zählen auch Menschen, in die Flucht treiben. Wer den Wiedehopf durch ein Fernglas beobachtet, bekommt die schöne Seite des gefiederten Gefährten zu sehen. Als ausgewachsener Vogel entpuppt er sich als Edelpunk: Sein Federkleid am Körper ist orange mit einem Hauch von hell- bis goldbraun, im Gegensatz dazu stehen die Schwingen, sie zeigen eine schwarz-weiße Bänderung zu den Spitzen hin und zieren den Flügel noch mit einigen Querstreifen vom Ansatz zur Mitte. Wären die Schwanzfedern länger, würden sie dem Kopfschmuck eines Indianderhäuptlings alle Ehre machen: Sie glänzen schwarz und bestechen durch einen weiß unterbrochenen Streifen.
Kleines Konzert in der Streuobstwiese
Seine aufklappbaren Kopffedern sind mit rund fünf bis sechs Zentimetern ebenso lang wie der markant gebogene, spitze Schnabel, insgesamt misst der Brutvogel, der in den heimischen Gefilden äußert selten vorkommt und in Afrika überwintert, rund 30 Zentimeter. Im Verhältnis zu seiner Größe wirken die Krallen eher klein und zierlich. Zum Überleben braucht der Wiedehopf halboffene bis offene Landschaften, in denen viele Insekten leben, die braucht er als Futter, das er am Boden jagt. Auf dem Speisezettel stehen neben Grillen und Käfern auch Heuschrecken oder Raupen von Schmetterlingen und Spinnen, wenn es sich ergibt, verschmäht er aber auch Regenwürmer und Eidechsen oder Eidechseneier nicht. Wenn im Sommer aus Streuobstwiesen oder Weinberge eine dreisilbige Melodie aus „wuuhp-wuuhup-wuuhup“ Tönen erklingt, kann man sich sicher sein, dass hier ein Wiedehopf ein kleines Konzert gibt. Lässt er sich häuslich nieder, nutzt er Spechthöhlen, natürliche Astlöcher, alte Schuppen, Mauerspalten, Steinhaufen oder andere Nischen zum Nisten.
Rufe nach den Weibchen
Sein Nest kleidet er nicht besonders aus, er kratzt eine Mulde, dahinein werden die Eier gelegt. Natürlich legen die Weibchen die Eier, ansonsten herrscht bei der Familie Wiedehopf vom Aussehen her relative Gleichberechtigung, sie unterscheiden sich von der Größe und vom Gewicht her, die Weibchen sind etwas größer und schwerer. Sie bringen rund 80 Gramm auf die Waage, die Flügelspannweite beträgt rund 48 Zentimeter. Mit rund einem Jahr sind Wiedehopfe geschlechtsreif, Brutzeit ist im Frühjahr. Während der Balz lassen sich die Männchen in ihrem Revier gerne auf einer Anhöhe, auf der sie gut gesehen werden können, nieder. Von hier aus fliegen sie von Ansitz zu Ansitz, lassen sich von ihrer Schokoladenseite sehen und machen zudem durch Rufe die Weibchen auf sich aufmerksam. Wiedehopfe brüten von April bis Juli zwei Mal im Jahr. Das Weibchen legt bis zu acht grau gesprenkelte Eier und brütet sie alleine aus, das Männchen ist für die Beschaffung der Nahrung zuständig.
Der größte Feind
Nach rund 18 Tagen schlüpfen die Küken, das Männchen ist in der ersten Zeit alleine für den Speiseplan zuständig – stirbt es, ist die Brut dem Tod geweiht. Erst wenn den Kleinen ein Daunenkleid tragen, rückt auch die Mutter zur Nahrungssuche aus. Nach rund 28 Tagen sind die Jungvögel flügge, die Vögel können bis zu zehn Jahre alt werden. Der größte Feind des Wiedehopf ist der Mensch, durch die von ihm geschaffenen Monokulturen findet der Vogel keinen Platz mehr, zu den natürlichen Feinden zählen Falken, Habichte, Sperber, Rabenvögel sowie Wiesel, Steinmarder, Schlangen und Katzen.
Beobachtungen des Wiedehopf – vor allem im Zeitraum Mai bis Juli – können Matthias Franz von der Untere Naturschutzbehörde weiter gegeben werden, Tel.: 0971/801-4085 oder per Mail: matthias.franz@kg.de

Quelle: Landratsamt Bad Kissingen

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