Würzburg/Mainfranken – Die mainfränkische Wirtschaft startet trotz einer leichten Eintrübung recht solide ins neue Jahr. Sorge bereitet den Unternehmen der Pandemieverlauf sowie die teils massiven Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen.
 
Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der als Stimmungswert sowohl die Geschäftslage, als auch die Geschäftserwartungen der regionalen Wirtschaft abbildet, sinkt im Vergleich zur Vorbefragung aus dem Herbst 2021 um neun Zähler, bleibt mit 121 Punkten aber weiter deutlich im positiven Bereich. „Auch zum Start ins neue Jahr folgt die mainfränkische Wirtschaft ihrem konjunkturellen Erholungspfad, hat aber zuletzt etwas an Schwung eingebüßt. Neben der Omikron-Welle schlagen insbesondere die Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen sowie die Materialknappheit und Lieferengpässe durch“, erklärt IHK-Präsident Dr. Klaus D. Mapara.
Er verweist insbesondere darauf, wie die regionalen Unternehmen ihre laufenden Geschäfte beurteilen: 45 Prozent bezeichnen diese als gut, 14 Prozent klagen über schlechte Geschäfte. Per Saldo erreichen die Lagebeurteilungen mit 31 Punkten ein ähnliches Niveau wie vor Ausbruch der Coronapandemie, büßen aber 13 Zähler im Vergleich zum Herbst 2021 ein. „Während sich die Geschäfte in der Industrie leicht verbessern und im Bau nahezu stabil bleiben, leiden große Teile des stationären Einzelhandels sowie des Dienstleistungs- und Tourismusgewerbes unter steigenden Infektionszahlen und den damit verbundenen Corona-Schutzmaßnahmen“, erläutert der IHK-Präsident. „Acht von zehn Tourismusbetrieben berichten, dass die Corona-Schutzauflagen die Geschäftstätigkeit erheblich beeinträchtigen.“. Strenge Zugangsbeschränkungen hätten mit 93 Prozent nahezu alle Tourismusbetriebe massiv gehemmt, im Einzelhandel immerhin gut jedes zweite Unternehmen.
Preissteigerungen, Lieferengpässe und Materialknappheit
Abgesehen von Corona drücken Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen, Lieferengpässe sowie Materialknappheit stark auf das unternehmerische Gemüt. „Die Geschäfte der regionalen Wirtschaft könnten deutlich besser laufen, doch zahlreiche Unternehmen kämpfen mit gestörten Lieferketten, horrenden Preissteigerungen und fehlenden Materialien.“
Sechs von zehn mainfränkische Unternehmen spüren in dieser Hinsicht negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Im Bau oder der Industrie trifft dies sogar auf fast jeden Betrieb zu. „Preiszuwächse von bis zu mehreren hundert Prozent in einzelnen Sparten sind keine Seltenheit, dazu mangelt es an Containern und Frachtkapazitäten auf Schiffen. Langfristige, verlässliche Planungen sind so kaum möglich“, so Mapara. Er befürchtet, dass sich daran zumindest kurzfristig wenig ändern wird: „Die Unternehmen rechnen bestenfalls im Laufe des zweiten Halbjahres 2022, eher jedoch im Laufe des kommenden Jahres mit Besserung.“
Dazu kämen weitere Risikofaktoren – etwa fehlende Fachkräfte oder der Russland-Ukraine-Konflikt. Dies drücke die Geschäftserwartungen im weiteren Jahresverlauf. „Die Zeichen stehen zwar weiter auf Wachstum, insgesamt blicken die mainfränkischen Unternehmern aber verhaltener auf die kommenden Monate als noch im Herbst 2021.“
So erwartet ein Viertel der Unternehmen eine weitere Belebung, 14 Prozent rechnen hingegen mit einer Eintrübung. Der Saldo sinkt auf elf Punkte (Herbst 2021: 17 Punkte), das entspricht dem Niveau aus dem vergangenen Frühjahr. Dabei setzt die mainfränkische Wirtschaft nicht nur auf steigende Auftragsvolumina aus dem Inland, die exportorientierte Industrie rechnet auch mit einer stärkeren Nachfrage aus dem Ausland, insbesondere aus der EU, Nordamerika und China.
Um die Nachfrage bedienen zu können und gleichzeitig die Transformation der Geschäftsprozesse hin zu nachhaltigem Wirtschaften voranzutreiben, soll investiert und Personal eingestellt werden. So möchten 27 Prozent der Unternehmen ihre Investitionsausgaben steigern, elf Prozent möchten sie reduzieren. Hierbei gewinnt der Umweltschutz als Investitionsmotiv immer größere Bedeutung. Darüber hinaus plant ein Viertel der Unternehmen, neue Stellen zu schaffen. 15 Prozent wollen Personal abbauen.
„Trotz der aktuell angespannten Situation deuten die Indikatoren eher auf Aufbruch und weniger auf Rückschritt hin. Wir haben eine starke regionale Wirtschaft, die ihren konjunkturellen Aufholprozess im Jahresverlauf fortsetzen wird“, prognostiziert der IHK-Präsident.
Die Befragung wurde im Zeitraum vom 10. bis 20. Januar 2022 durchgeführt. Von 784 befragten Unternehmen haben sich 272 beteiligt. Die vollständigen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage mit ausführlicher Branchenauswertung finden Interessierte unter: www.wuerzburg.ihk.de/konjunktur

Quelle: IHK Würzburg-Schweinfurt

Werbung
Vorheriger ArtikelHaßberge: Mehr Natur im Garten wagen
Nächster ArtikelHaßberge: Was tun bei einem positiven Corona-Test?