TenneT-Antrag sieht drei mögliche Trassenkorridore vor – Landrat Thomas Bold zeigt sich enttäuscht von Hubert Aiwanger
P 43 ist die Bezeichnung für die im Landkreis umstrittene Wechselstromleitung, die durch Unterfranken und durch den Landkreis Bad Kissingen führt. Dass die Leitung kommt ist sicher, die Frage ist nur noch, welchen Weg sie nimmt. Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT hat am Montag (18. Oktober 2021) den Antrag auf Bundesfachplanung für die Fulda-Main-Leitung (sogenannte P 43) bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Dem zugrunde liegt das Bundesbedarfsplangesetz, das eine 380kV-Wechselstromleitung mit dem Anfangspunkt in Dipperz und dem Endpunkt in Bergrheinfeld vorsieht. Der von TenneT eingereichte Antrag sieht nun drei mögliche Trassenkorridore für den Verlauf dieser Leitung vor. Der Vorschlagstraßenkorridor verläuft dabei entlang der BAB 7 von Motten bis zum Autobahnkreuz Werneck und schwenkt dann ostwärts Richtung Bergrheinfeld. Eine Trassenkorridoralternative orientiert sich an der bestehenden Erdgasleitung Sannerz – Rimpar, die den Landkreis Bad Kissingen weiter westlich durchquert. Als weitere Alternative wird der Korridor entlang der ICE-Trasse Fulda – Würzburg geprüft, weil hier bereits eine Stromleitung für die Bahn verläuft.
Landkreis wird betroffen sein
„Leider war damit zu rechnen, dass der Landkreis Bad Kissingen betroffen sein wird. Das ist bitter, weil unser Landkreis bereits von zwei Trassen des SuedLink durchquert werden wird“, fasst Landrat Thomas Bold die derzeitige Situation zusammen. Die von TenneT nun für die P 43 beantragten möglichen Verläufe würden in den nächsten Wochen fachlich geprüft. Der Landkreis werde dann im Verfahren Stellung nehmen. Der Landrat hält den Neubau der Freileitung quer durch die Rhön auch umweltfachlich für sehr problematisch, weil hierfür eine neue Leitung in neuer Trasse gebaut werden muss. Hinzu komme, dass der durchgeleitete Strom wohl im Rhein-Main-Gebiet benötigt wird. Dann mache es aber keinen Sinn, eine neue Leitung nach Bergrheinfeld zu bauen, um den Strom dann wieder Richtung Aschaffenburg zu leiten. Hierfür könnten in Hessen bereits bestehende Leitungen optimiert und gegebenenfalls ausgebaut werden.
Aiwanger und Erdkabel
„Das ist aber ein Problem des Bundesbedarfsplangesetzes, das Bergrheinfeld als Endpunkt für die P 43 vorsieht. Hierauf haben wir bereits mehrfach bei der Fortschreibung des Bundesbedarfsplans hingewiesen.“, so Landrat Bold. TenneT hat bei der Vorstellung des Antrags auch erneut darauf hingewiesen, dass es sich bei der P 43 um eine Freileitung handelt. Eine Erdverkabelung sei nur für sehr kurze Abschnitte von maximal fünf Kilometern denkbar. Man werde den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der seinerzeit die Verhandlungen führte, aber an seinem Versprechen, dass die P 43 so weit wie möglich als Erdkabel umgesetzt werde, messen, erklärt Landrat Thomas Bold. Bei diesen Verhandlungen wurde unverständlicherweise die ebenso netzwirksame Alternative zur P 43, die innerhalb Hessens direkt von Dipperz in das Rhein-Main-Gebiet verlaufen würde (sogenannte P 43 mod), zu Lasten Bayerns gestrichen.

Quelle: Landratsamt Bad Kissingen

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