Unter den ukrainischen Geflüchteten befinden sich überwiegend Frauen mit Kindern, weswegen das Sozialamt des Landratsamts Schweinfurt unbürokratisch Babyerstausstattung zur Verfügung stellt. Landrat Florian Töpper besuchte am 17. März die Anker-Einrichtung und machte sich ein Bild vor Ort. Fotos: Lösch/Landratsamt

In der Anker-Einrichtung Unterfranken in Geldersheim treffen täglich ukrainische Geflüchtete ein und werden versorgt – Regierungspräsident Dr. Ehmann lobt gesellschaftliches Engagement und gutes Zusammenspiel der Behörden.

 

Landkreis Schweinfurt. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen haben die Gesellschaft vor immense Herausforderungen gestellt: Seit Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine kommt es zu hohen Fluchtbewegungen aus dem osteuropäischen Land. Rund 1200 Geflüchtete sind mittlerweile im Landkreis Schweinfurt angekommen (Stand 17.3.), der Großteil von ihnen in der Anker-Einrichtung auf dem Gelände der ehemaligen Conn Barracks in Geldersheim/Niederwerrn. „Es kommen täglich neue Geflüchtete an, täglich mehrere Busse“, erklärt der Leiter der Anker-Einrichtung, Benjamin Kraus.
Es sei die erste Anlaufstelle für die Geflüchteten nach einer oft tagelangen, ermüdenden Reise. In der Anker-Einrichtung sollen sie eine Verschnaufpause erhalten, „ein Dach über dem Kopf, Verpflegung und erst einmal zur Ruhe kommen“, sagt Kraus. Der Anteil an Kindern unter den Geflüchteten ist hoch (40 bis 50 Prozent), diese sind meist mit ihren Müttern oder anderen weiblichen Begleitpersonen angekommen, nur sehr wenige Männer befinden sich unter den Geflüchteten.
Gesonderte Rolle des Landratsamts bei der Krisenbewältigung
Kraus hatte am Donnerstag, 17.3., mehrere lokale und regionale Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Politik und Polizei sowie Journalistinnen und Journalisten in der Anker-Einrichtung begrüßt und zu einem Rundgang über das Gelände begleitet. Eingeladen zu dem Termin hatte die Regierung von Unterfranken gemeinsam mit dem Landratsamt Schweinfurt. Die beiden Behörden arbeiten nicht erst seit Beginn der ukrainischen Flüchtlingskrise eng zusammen: Die Regierung von Unterfranken ist zuständig für die Anker-Einrichtung, die wiederum im Landkreis Schweinfurt liegt, wodurch dem Landratsamt eine gesonderte Rolle bei der Krisenbewältigung zukommt. So befindet sich dort auch eine Außenstelle des Sozialamtes des Landkreises Schweinfurt.
Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann bedankte sich am Donnerstag ausdrücklich bei Landrat Florian Töpper sowie bei Bürgermeisterin Bettina Bärmann (Niederwerrn) und Bürgermeister Thomas Hemmerich (Geldersheim), auf deren Gemeindegemarkungen die Conn Barracks liegen, für die stetige und verlässliche Unterstützung. Ebenso bedankte sich Dr. Ehmann bei Detlev Tolle, dem unterfränkischen Polizeipräsidenten, sowie bei allen Unterstützern und Helfern, die in der aktuellen Situation enormen Einsatz zeigen. „Es ist ein Zusammenspiel, für das ich sehr dankbar bin“, sagte er. Die Kooperationsbereitschaft und gegenseitige Unterstützung müsse weiter aufrechterhalten werden, denn „wir werden noch monatelang mit der Situation zu tun haben. Selbst, wenn sich die Lage in der Ukraine günstig entwickelt“.
Landrat Florian Töpper bedankte sich bei Regierungspräsident Dr. Ehmann, bei Bürgermeisterin Bärmann und Bürgermeister Hemmerich, den Gemeinden und auch der Stadt Schweinfurt sowie allen weiteren Beteiligten für die hervorragende Zusammenarbeit. Innerhalb kürzester Zeit hätten Behörden und ehrenamtliche Helfer zu einem sehr gut funktionierenden Miteinander gefunden und sich gegenseitig unterstützt, vor allem dann, wenn Improvisation gefragt war und schnell Lösungen gefunden werden mussten.
Entlastung der Anker-Einrichtung durch Notunterkünfte
In nur wenigen Tagen hat das Landratsamt Schweinfurt über die von Landrat Töpper Ende Februar einberufene Koordinierungsgruppe Ukrainehilfe (Leitung Steffen Beutert, Sozialamt) zwei Notunterkünfte (Gerolzhofen und Reichmannshausen) geschaffen, die Anfang dieser Woche in Betrieb gegangen sind. Die Notunterkünfte werden zusätzlich benötigt, um die Anker-Einrichtung in Geldersheim als Erstanlaufstelle für Geflüchtete zu entlasten und aufnahmebereit zu halten. Der Aufenthalt in Notunterkünften ist nur für wenige Tage vorgesehen, die dort Untergebrachten sollen rasch in privaten Wohnraum weitervermitteltwerden. Neben den Geflüchteten in der Anker-Einrichtung kommen etliche Ukrainerinnen und Ukrainer auch direkt privat unter. Töpper sprach von derzeit (Stand 17.3.) „gut über 300 Menschen, die bei uns über die Gemeinden registriert sind“ und private Unterkünfte gefunden hätten.
Stichwort Registrierung: Regierungspräsident Dr. Ehmann und Landrat Töpper betonten beide, wie außerordentlich wichtig eine zügige Registrierung der Geflüchteten sei, denn es werden sehr schnell Situationen auftreten, in denen Angehörige ihre ins Ausland geflüchteten Familienmitglieder suchen. Weiterhin sei eine Registrierung auch aus Sicherheitsgründen und zu administrativen Zwecken notwendig.
Wie Anker-Einrichtungsleiter Kraus erläuterte, seien von den bislang rund 1000 in der Einrichtung aufgenommenen ukrainischen Geflüchteten etliche bereits im Raum Schweinfurt und auf andere unterfränkische Gebietskörperschaften weiterverteilt worden. Täglich kommen in Geldersheim mehrere Busse mit Geflüchteten an, die möglichst schnell dezentral in privatem Wohnraum untergebracht werden sollen. Diese Umverteilung ist nötig, da sonst die Kapazität der Einrichtung (rund 2000) schnell überschritten werden könnte. Neben den ukrainischen Geflüchteten, die in der Regel nach maximal einer Woche weitervermittelt werden, leben in der Anker-Einrichtung aktuell noch gut 1100 Asylbewerber ohne Bezug zum Ukrainekrieg.

Quelle: Landratsamt Schweinfurt