Foto: Primaton Symbolbild

In einem offenen Brief richtet sich Werner Christoffel, der Vorsitzende von Schweinfurt erleben e.V., an Florian Töpper. Unter anderem steht hierbei auch eine mögliche Strafanzeige im Raum. Radio Primaton hat mit beiden Seiten über den Konflikt gesprochen:

 

Zuallererst der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Landrat Töpper,

wir nehmen Bezug auf die wahrscheinlich wieder falschen hohen Inzidenzen, seltsamerweise wieder ausschließlich im Bereich des Gesundheitsamtes Schweinfurt.
Falls die Zahlen wider Erwarten stimmen sollten, kann man davon ausgehen, dass dies einzig und allein auf die nicht funktionierende Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamtes Schweinfurt zurückzuführen ist.
Uns liegen inzwischen mehr als ein Dutzend namentlich bekannter Fälle vor in denen die Nachverfolgung nicht oder deutlich zu spät geschah. Dass das Gesundheitsamt Schweinfurt nach so langer Zeit nicht in der Lage ist solche Sachen zu organisieren, lässt auf deutliche Organisationsmängel schließen.
Die vielen Tests sind dazu gedacht, Infizierte zu erkennen und sie, sowie ihre Kontakte zu isolieren. Wenn das nicht funktioniert, brauchen wir uns nicht zu wundern. Sollten wir dadurch wieder in eine Inzidenz kommen, die Einschränkungen oder Schließungen von Gastronomie und Einzelhandel nach sich ziehen, werden etliche unserer Mitglieder Strafanzeige gegen das Gesundheitsamt Schweinfurt stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Christoffel
Vorsitzender Schweinfurt erleben e.V.

 

Dazu nun Werner Christoffel im PRIMATON-Interview: 

Herr Christoffel, was werfen Sie Florian Töpper genau vor?

Und was genau haben Sie jetzt vor? Sie haben in Ihrem Brief ja eine Art “Ultimatum” gestellt. Wie geht es jetzt weiter?

Ist das aber wirklich das richtige Mittel? Eine Strafanzeige ist ja dann doch schon ein harter Schritt….

Glauben Sie, dass man dort im Gesundheitsamt einfach mehr Leute bräuchte, damit sich da was ändern bzw. bessern würde?

 

Landrat Florian Töpper hingegen weist diese Behauptungen in einer Pressemitteilung zurück, die „Schweinfurt erleben“-Vorsitzender Werner Christoffel in seinem offenen Brief anmahnt:

 

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Die Anschuldigungen, die Werner Christoffel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Schweinfurt erleben“, in einem an Landrat Töpper gerichteten offenen Brief gegenüber dem Gesundheitsamt Schweinfurt erhebt, weist der Landrat entschieden zurück. „Die von Herrn Christoffel erhobenen Anschuldigungen sind reine Mutmaßungen ohne faktische Grundlage. Basierend auf bloßen Behauptungen sehr viel Lärm zu machen, das ist ein politischer Stil, den ich nicht zu pflegen gedenke. Insofern muss dieses Feld Herrn Christoffel überlassen werden, während wir im Landratsamt und im Gesundheitsamt nach bestem Gewissen und mit viel Einsatz unsere Arbeit machen, damit es gelingen kann, das Infektionsgeschehen einzudämmen“, erklärt der Landrat.

Christoffel hatte in dem offenen Brief dem Gesundheitsamt unterstellt, dass die gestiegene Inzidenz „wahrscheinlich falsch“ sei, ohne diese Behauptung mit Fakten zu unterlegen. Weiterhin erklärte Christoffel für den Fall, dass die Inzidenz richtig sei, funktioniere die Kontaktnachverfolgung des Gesundheitsamtes nicht. Beide Annahmen Christoffels sind falsch. Seitens des Gesundheitsamtes kann mitgeteilt werden, dass sich die Steigerung der Inzidenz in der Stadt Schweinfurt (Anstieg am 10. Juni um über 20 Punkte auf 73,0) grundsätzlich aus mehreren Umständen ergibt. Eine Ursache lässt sich in der Übermittlung von mehreren positiven Befunden aus einem größeren Familienverband erkennen, der bereits nahezu die Hälfte des Anstiegs der Inzidenz vom 10. Juni ausmacht. Berücksichtigt man die geringe Einwohnerzahl der Stadt Schweinfurt, führen zum Beispiel sechs Positivfälle bereits zu einem Anstieg von rund 11 Punkten bei der Inzidenz.

 

Dazu nun Landrat Florian Töpper im PRIMATON-Interview:

Herr Töpper, man muss sagen, dass das schon recht harte und brutale Vorwürfe sind, die da von Werner Christoffels Seite an Sie und Ihr Gesundheitsamt herangetragen werden. Es ist ja sogar von einer Strafanzeige die Rede…

Was sagen Sie zu diesen starken Vorwürfen?

Jetzt heißt es ja trotzdem, dass unter anderem auch angeblich „ein Dutzend“ Fälle bekannt sind, bei denen die Kontaktnachverfolgung nicht oder viel zu spät geklappt hat… sind Ihnen diese Fälle bekannt und wie kommt dieser hohe Anstieg der Inzidenz in der Stadt Schweinfurt zu Stande?

Das heißt, Sie benennen definitiv das als Grund für diesen Anstieg und eben nicht diese angeblich falschen Meldungen oder zu späten Nachverfolgungen?

Jetzt heißt es eben auch, dass wenn es wieder zu Schließungen kommen sollte, man rechtlich gegen Sie und Ihr Gesundheitsamt vorgehen möchte. Wie treten Sie dem entgegen?

Jetzt ist Herr Christoffel wohl auch, und das hat er in unserem Gespräch mit ihm auch deutlich gemacht, sehr unzufrieden mit der Arbeit bzw. der „Performance“ von Gesundheitsamtsleiter Matthias Gehrig. Ist bei diesem Thema eine “personelle Konsequenz” eine Frage oder sagen Sie, Sie halten definitiv an den vorhandenen Mitarbeitern fest?

Zum Abschluss vielleicht noch etwas „versöhnliches“:
Eine Strafanzeige steht tatsächlich im Raum… wären Sie trotzdem für ein ausführliches Gespräch bereit, damit man sich vielleicht eher trifft und nicht noch weiter entzweit?