Symbolbild

Unter der Rubrik „Mighty DOGS – Legenden im Gespräch“ stellen wir Euch verdiente Menschen um das Schweinfurter Eishockey vor. Heute im Gespräch Sergej Wassmiller. Sergej spielte 13 Saisons für die erste Mannschaft des ERV und ist aktuell Chef-Trainer beim ECDC Memmingen.
MD: Hallo Sergej, willkommen in der Overtime und super, dass Du Dir spontan die Zeit nimmst für die Fans des ERV, um ein paar Fragen zu beantworten. Die Vorbereitungen für die neue Oberliga-Saison in Memmingen sind sicherlich schon in vollen Gange, oder?
Sergej: Sehr gerne bin ich hier und ja die Arbeiten im Hintergrund für die neue Saison sind bis auf ein paar Kleinigkeiten abgeschlossen. Aktuell verbringe ich viel Zeit bei meiner Familie, um Kraft für die neue Saison zu tanken.
MD: Sergej, was hat Dich zum Eishockey gebracht?
Sergej: In Russland ist Eishockey nach wie vor die Sportart Nummer eins. Jedes Kind spielt Eishockey. Die Eishalle war von meinem Elternhaus nur 500 Meter entfernt. Im Alter von 5-6 Jahren lief ich sogar mit den Schlittschuhen an den Füßen zum Training. Wir waren als Kinder nur an der frischen Luft. Jeder See oder Teich wurde bespielt. Dazu kommt, dass wir an jeder Schule Eishockey als Unterrichtsfach haben. Wir nennen es in Russland den „Goldenen Puck“. Die Ausbildung erfolgt an den Schulen. Die Basis einer guten Eishockey-Ausbildung wird im Alter von 5-9 Jahren geschaffen. Die Mannschaften der jeweiligen Schulen spielen regional gegeneinander und je nach Erfolg erreicht man die nächste Stufe. Schlussendlich wird national gespielt. Mit 12 Jahren gewann ich hier die Bronze-Medaille. Wir hatten eine sehr gute Mannschaft und ich habe heute noch Kontakt zu meinen „Mitschülern“, da es für uns eine besondere Zeit war.
MD: Was begeistert Dich am Eishockey?
Sergej: Es sind die Leidenschaft, die Emotionen. Es ist der Mannschaftssport – die Begeisterung. Ich habe mein Hobby ausleben dürfen, ich habe Sport gemacht und wurde Profi und aktuell kann ich von meinem Hobby leben. Das ist das Beste, wenn man von seinem Hobby leben kann. Aktuell begeistert mich am Eishockey, dass ich mit vielen Menschen arbeiten darf. Dass ich diesen, zum Teil sehr jungen Menschen, was beibringen kann und weiter entwickeln darf. Das macht mir große Freude.
MD: Warum bist Du in Schweinfurt gelandet?
Sergej: Das war reiner Zufall. Wir sind ausgesiedelt und in Schweinfurt angekommen. Dann habe ich mich umgehört, ob es einen Eishockey-Verein gibt. Ja, da gäbe es eine Fläche, allerdings ohne Dach. Das war für mich doch etwas ungewöhnlich. An der Eisfläche traf ich dann Eugen Pretzer und ich tauschten uns aus. Ein paar Tage später war ich Teil der ersten Mannschaft.
MD: Wer war Dein interessantester und / oder ausgewöhnlichster Mitspieler?
Sergej: Die Frage kann und möchte ich nicht beantworten. Es waren über die Jahre so viele, außergewöhnliche, gute, besondere Mitspieler. Ich möchte hier keinen vergessen und daher kann ich die Frage nicht beantworten. Über die 14 Jahre beim ERV habe ich viele Freunde gewonnen. Zu vielen habe ich noch heute sehr guten Kontakt.
MD: Welches Spiel hast Du noch in positiver Erinnerung?
Sergej: Besonders waren immer die Spiele um einen Aufstieg. Die Anspannung und dann der Erfolg im Anschluss. Das waren immer ausgewöhnliche Momente. Derbys sind immer wieder ein Erlebnis, wenn du in die Halle kommst und schon jeder Platz besetzt ist. In sehr positiver Erinnerung ist mir auch noch der Aufstieg von der Bayernliga in die Oberliga, als wir ungeschlagen durch die Serie gekommen sind. Es ging ja auch meistens in meinen Jahren beim ERV immer nach oben. Wir erzielten als Mannschaft sehr gute Ergebnisse und die Leute waren positiv. Es war eine sehr positive Zeit mit dem Bau der Halle, mit besonderen Ausländern in der Mannschaft und den Siegen auf dem Eis. Da war viel Leidenschaft – auf und neben dem Eis. Eine große Eishockey-Familie in Schweinfurt.
MD: Aufstieg aus der Landesliga oder Bayernliga Meister – was war bedeutsamer?
Sergej: Beides! Beides war schön. Enorm war es der Aufstieg aus der Bayernliga in die Oberliga. Das war ein weiterer bedeutsamer Moment für das Schweinfurter Eishockey. Wir waren eine top Mannschaft und die Fans hatten richtig Freude am Sport, am Eishockey, an der Mannschaft. Wir als Mannschaft natürlich auch.
MD: Hattest Du Deine Laufbahn als Trainer geplant?
Sergej: Ja. Mit bereits 18 Jahren habe ich in Russland mit dem Studium begonnen. 4 Jahre lang studierte ich Trainer und Sportwissenschaften. Als ich in Schweinfurt mit 23 Jahren ankam, hatte ich bereits eine Ausbildung zum Trainer. Heute habe ich alle notwendigen Scheine für den Job. In Selb spielte ich noch aktiv und begann dort als Trainer mit den Junioren. In Bayreuth führte ich als Trainer mit meinem Team die Mannschaft der Tigers von der Bayernliga hoch in die DEL2 und wir nahmen sogar mit vielen Spielern der Bayernliga an den Playoffs teil. Aktuell bin ich in Memmingen an der Bande sehr glücklich und mal sehen, was noch so kommt.
MD: In Bayreuth hast Du vor den Wirtschaftsjunioren einen Vortrag über Strukturen im Profi-Sport gehalten.
Sergej: Ich habe den jungen Unternehmern unser Konzept vorgestellt. Ich war über 7 Jahre in Bayreuth und da gab es Einiges, was zu verändern war. Wir bauten ein Team um das Team – vom Vorstand über die Betreuer zur Massage-Abteilung bis zum Koch. Das Ziel war eine große Gemeinschaft zum Wohl des Erfolgs. Jeder war gerne ein Teil vom Team im Team. Wir mussten dann mit dem Aufstieg von der Bayernliga in die DEL auch nur ganz kleine Veränderungen vornehmen, damit wir weiter erfolgreich waren.
MD: Verfolgst Du die anderen Eishockey Ligen oder Vereine?
Sergej: Natürlich (Sergej lacht) – was wäre ich denn für ein Trainer, wenn ich das nicht täte. Ich habe mir aktuell erst die Weltmeisterschaft der U18/U20 angeschaut. Ich nahm auch regelmäßig an Weltmeisterschaften als Zuschauer und Gast teil. Die Eishockey-Welt ist eine kleine Welt. Aktuell habe ich als Trainer über die modernen Medien viel mehr die Möglichkeit, unabhängig von Raum und Zeit, Spieler zu beobachten.
MD: Wie siehst Du dann Leon Draisaitl?
Sergej: SUPER! – Bei ihm erkannte man schon als kleinem Jungen, dass er ein außergewöhnliches Talent hat. Mit 18 Jahren war er in meinen Augen bereits ein komplett fertiger Spieler. Er hatte einfach alles – Schlittschuh Technisch – Torinstinkt – Übersicht – den Körper – einfach alles. Zu erwähnen ist auch die Deutsche Nationalmannschaft. Die sind aktuell auf einem guten Weg, haben ein gutes Konzept.
Zum Abschluss noch eine kurze Antwort aus den beiden Vorlagen:
Freifläche oder Halle >> Als Profi ganz klar Halle – aber so als Hobby hat Freifläche ihren Charme
Abwehr oder Sturm >> Ohne Abwehr gewinnst du kein Spiel und ohne Sturm schießt du keine Tore. Beides ist sehr wichtig und bei 5 Spielern hat jeder Teil der Mannschaft mehrere Aufgaben.
Heimspiel oder Auswärtsspiel >> Beides. Auswärts in einem Hexenkessel bestehen und dort einen Sieg einfahren – seinen Mann zu stehen, hat einen süßen Geschmack. Daheim vor seinen Fans – dem 6. Mann – zu gewinnen, ist was Tolles.
Kunsteis oder Seefläche >> wie bei der Halle – See ist für Hobby perfekt – für Profisport nur Kunsteis
Bratwurst oder Bockwurst >> ich esse beides sehr wenig
Glühwein oder Bier >> Bier
Kanadisch oder Russisch >> Ich habe die Ausbildung in Russland genossen. In Nordamerika ist die beste Liga der Welt. Durch das Öffnen der Grenzen hat sich beides sehr angenähert und ausgetauscht. Der einzige große Unterschied ist die kleine Eisfläche in Nordamerika.
Spieler oder Trainer >> Beides ist anders und beides hat seinen Reiz. Spielertrainer sehe ich bei dem aktuellen Niveau der Ligen als eine große Herausforderung.
Das mit den kurzen Antworten werden wir beim nächsten Interview noch mal etwas üben. Vielen Dank Sergej für das kurzweilige, amüsante und tolle Gespräch. Man merkt Dir an, wie Du den Eishockey-Sport liebst und dafür brennst.
Wir vom Medienteam wünsche Dir für die neue Saison viel Erfolg und für Dich und Deine Familie das Beste.
VEREINT IN WEISS-BLAU.

Quelle: Mighty Dogs