Bild: Dita Vollmond
Hoher Besuch zum runden Geburtstag des Mozartfests: Staatsminister Bernd Sibler und Gattin Michaela, Intendantin Evelyn Meining und ihr Mann Prof. Dr. Stephan Mösch, Elke Bündenbender und Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier und Oberbürgermeister Christian Schuchardt (von links) beim Gruppenbild im Treppenhaus der Würzburger Residenz kurz vor Konzertbeginn.

Salzburg, Berlin und München gratulieren im Kaisersaal der Würzburger Residenz

Bis zuletzt hieß es zittern, ob ein über drei Jahre ausgetüfteltes Jubiläumsprogramm an diesem Abend den angemessenen Auftakt erhalten würde. Auf der einen Seite Tatendrang, Kreativität und künstlerischer Perfektionismus – vertreten durch Intendantin Evelyn Meining und ihr Festival-Team, auf der anderen Seite eine einschüchternde Pandemie, die insbesondere wenig Rücksicht nimmt auf die besonderen Momente, die den 28. Mai 2021 zu einem Festtag machen sollten: Darauf, dass sich Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier zum Auftakt angekündigt hat. Darauf, dass eine Violine und eine Viola aus Mozarts Privatbesitz und somit echte Zeitzeugen erklingen sollten. Darauf, dass mit der Camerata Salzburg unter der Leitung von Jörg Widmann ein Ensemble aus Mozarts Geburtsstadt den diesjährigen Konzertreigen eröffnen sollte.
Darauf, dass eine Mozart-Bearbeitung des Festivalgründers Hermann Zilcher auf dem Programm stand.

Diese Aufzählung ließe sich wohl noch lange fortsetzen, insbesondere mit Blick auf alle Events (nicht nur Konzerte) die noch bis zum 27. Juni über die Bühne gehen werden. An vielen Spielstätten in Würzburg und in der Region, im Zeichen von „Amadeus“, aber nicht nur. Alle Events, ein reichbebilderter Rückblick bis ins Jahr 1921 und „100 für 100“ außergewöhnliche Formate der Huldigung finden sich unter www.mozartfest.de. Es ist in Würzburg nahezu ausgeschlossen, von diesem Jubiläum nicht auf die eine oder andere Weise abgeholt zu werden.

Bundespräsident Steinmeier gab vor dem Konzert seine Antwort auf die Frage: „Wie viel Mozart braucht der Mensch?“. Diese Frage bildet im Rahmen des Festivals eine eigene Vortragsreihe: „Es ist, wie ich finde, sehr richtig und angemessen, dass gerade an diesem runden, hundertsten Geburtstag des Mozartfestes, nicht nur seine Musik gespielt und mit anderen, auch mit gegenwärtigen Kompositionen konfrontiert wird. Sondern dass man sich auch die Frage stellt, wie denn die Klassiker vor ihrem schlimmsten Feind bewahrt werden können: einer unantastbaren Musealität.“ Steinmeier unterzog das Werk Mozarts der „Weglassprobe“ und kam angesichts eines in nur 36 Jahren Lebenszeit geschaffenen musikalischen Kosmos mit kleinen Stücken wie dem „Rondo Alla Turca“ bis zu den späten Symphonien oder dem Requiem zum klaren Schluss: „Ohne Mozart und seiner Musik würde unserem Selbstverständnis, unserem Weltverständnis und den Möglichkeiten, dafür einen Ausdruck zu finden, etwas Unersetzliches fehlen.“ Mozart brauche man auch in schwierigen Zeiten – das Gründungsjahr des Festivals 1921 war ein solches, beispielsweise durch eine hohe Inflation und der damit verbundenen Unsicherheit. Und auch heute könne uns Mozart auf der Suche danach begleiten, was im Vergangenen an neuen, unentdeckten Möglichkeiten steckt: „Eine Suche nach Trost, das gewiss, aber auch eine Suche nach Aufregung, nach Anregung, nach Inspiration für neue Wege.“

Bernd Sibler, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, vertrat den Schirmherrn des Festivals Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Auch er sah im 100. Eröffnungsabend ein ganz besonderes Aufbruchssignal: „Das Stichwort Neustart begleitet uns im Moment alle.“ Die Vergleiche mit dem Jahr 1921, als das Festival startete und dem Neustart 1951, nur wenige Jahre nach der fast vollständigen Zerstörung der Stadt, würden sich laut Sibler vielleicht verbieten, aber man habe sie an einem solchen Freudentag nach den vielen Corona-Entbehrungen im Hinterkopf: „Dass sie nach dem großartigen Auftakt heute in die Stadt hinausgehen und den Menschen diese wunderbare Musik erlebbar machen, ist ein großartiges, ein demokratisches Element“, lobte der Minister die Festivalphilosophie und beschrieb den Beitrag des Freistaats, um Kultur wieder mit Leben zu füllen. 370 Millionen Euro wurden bislang in den bayerischen Rettungsschirm für Kultur gesteckt. Im Sommer 2021 setzt man insbesondere auf Freilichtformate und ein neues Stipendien-Programm für den künstlerischen Nachwuchs.

Oberbürgermeister Schuchardt würdigte den Kraftakt, den die Feier eines so bedeutsamen Jubiläums in Pandemiezeiten für das Team um Intendantin Evelyn Meining und Geschäftsführerin Katharina Strein bedeutete. Manchmal sei es entscheidend, mit Taten ein Bekenntnis zur Kunst und Kultur abzulegen und nicht nur mit Worten. So wie es auch Oberbürgermeister Franz Stadelmayer 1951 nach dem Krieg getan hatte und somit das nach den Salzburger Vorbild zweitälteste Mozartfest der Welt hier kein frühzeitiges Ende fand. Dieses Handeln braucht es noch heute: „Ich bin froh und stolz, in Würzburg und Unterfranken sowohl auf politischer, als auch unternehmerischer Seite verlässliche Mitstreiter zu wissen, die es nicht bei einem allgemeinen Bekenntnis belassen, sondern allesamt an der konkreten Umsetzung mitarbeiten.“ Auch der Freistaat und der Bund unterstützen das Festival laut Schuchardt „großzügigst“ und der Besuch des Bundespräsidenten sei nun eine ganz besondere Ehre und Würdigung zum runden Geburtstag.

Die Zahl der Festgäste in der Residenz musste – den Corona-Abständen geschuldet – stark reduziert werden, doch das Konzertprogramm ließ sich durch Live-Übertragungen im Fernsehen und per Video-Livestream des Bayerischen Rundfunks auch zu Hause genießen. Mozarts Fantasie für eine Orgelwalze f-Moll KV 608 (eben in der Bearbeitung von Hermann Zilcher), Mozarts Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester Es-Dur KV
364 (320d) mit den beiden Solisten Renaud Capuçon und Gérard Caussé, Widmanns „Con brio“ und schließlich die „Jupitersinfonie“ (KV 551) fanden sich im Programmheft, das einmal einen besonderen Sammlerwert haben wird.

Christian Schuchardt verabschiedete den Bundespräsidenten mit einem besonderen Souvenir, ein Faksimile eines in Würzburg sehr berühmten Briefs von unterwegs: Ganz am Anfang des Festivals steht ein auf der Durchreise getrunkener Kaffee Mozarts in Würzburg und der knappe Bericht darüber in einem Schreiben an seine Frau Constanze aus „einer schönen, prächtigen Stadt“. Mehr Würzburg-Bezug brauchte es nicht um 131 Jahre später den Grundstein für ein Festival zu legen, dass auch 2021 alles dafür tat, „damit so viel Musik wie möglich für unser Publikum stattfinden kann und die KünstlerInnen wieder auftreten können. Damit wie Hermann Hesse mit Blick auf Mozart sagt, die Welt einen Sinn hat.“ (Intendantin Evelyn Meining)

Quelle: Stadt Würzburg