Die Ortsgruppen Kitzingen und Schweinfurt vom Kreisverband des VDC Mainfranken-Rhön e.V. informieren Bürger entlang der Strecke

Schweinfurt/Kitzingen

Eine gelungene Informationsveranstaltung für interessierte Bürger organisierten die Aktiven des VCD in Form eines virtuellen Meetings. Stolze 72 Interessierte nahmen an der Zoom-Veranstaltung teil, darunter sogar mehrere Gäste aus unterschiedlichen politischen Parteien. Zunächst gab es drei Fachvorträge zu den verkehrspolitischen Rahmenbedingungen einer Steigerwaldbahn-Reaktivierung (Br.Julian Glienke), zum Ablauf von Bahn- Reaktivierungen (Andreas Witte) und zu dem landesweiten Bahnreaktivierungsprogramm in Baden Württemberg (Sven Haubenreich). Abschließend wurde die aktuell laufende Bürgerumfrage durch Manfred Röder vorgestellt, der auch durch die Veranstaltung führte. 

An die Vorträge schloss sich eine Diskussion unter den Teilnehmern an, bei der in sachlicher und respektvoller Weise die verschiedenen Meinungen zu Wort kamen. Mehrere Teilnehmer mahnten, dass der Klimaschutz eine Veränderung der Mobilitätsgewohnheiten unausweichlich mache und dabei die Bahn als klimafreundliches Verkehrsmittel eine zunehmende Bedeutung bekomme. Der stellvertretende Landrat Thomas Vizl wies auf die starken Befürworter der Bahn seitens der IHK hin; die Bahn habe große Vorteile für Gewerbe und Industrie gerade im Hinblick auf die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze. Junge Menschen möchten sich häufig nicht mehr auf das Auto als einzige Mobilitätsoption verlassen.

Ein Teilnehmer gab zu bedenken, dass der Innenstadtbereich von Zentren wie Würzburg immer schwerer mit dem Auto erreichbar sein wird und daher die Bahn immer mehr an Bedeutung gewinne. Entschieden wurde die Meinung geäußert, Infrastruktur wie diese Bahnstrecke dürfe man nicht „vernichten“, da sie dann unwiederbringlich verloren ist. Die Nutzung vorhandener Infrastruktur sei auch notwendig, um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln. Neubauten sind erheblich teurer und mit langen Bauzeiten verbunden.

Befürchtungen eines Teilnehmers, die reaktivierte Bahn würde eine Lärmbelästigung der Anwohner darstellen, konnten fachkundige Teilnehmer ausräumen, da die modernen Triebwagen nur noch extrem geringe Schallemissionen aufweisen – im Vergleich zum Straßenverkehr mit Lastkraftwagen und Omnibussen seien die zwei Triebwagen pro Stunde kaum eine nennenswerte Belastung. Ein zusätzliches Problem ist, dass in den vergangenen Jahren -unter anderem in Grettstadt- einige Neubauten direkt an der Bahntrasse entstanden sind, wobei den Bauherren wohl in Aussicht gestellt wurde, dass auf der Bahnstrecke keine Züge mehr fahren würden. Darauf wurde eingewandt, auf den Bebauungsplänen sei die gewidmete Bahnstrecke stets sichtbar gewesen. Manfred Röder machte aber deutlich, dass man alle Sorgen ernst nehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen wolle, um die individuellen Probleme zu lösen.

Die Kostenfrage wurde auch diskutiert. Thomas Vizl verwies auf das Gutachten der Kobra NVS GmbH im Auftrag des Landkreises Schweinfurt, die für die Wiederinbetriebnahme des Abschnittes Schweinfurt – Gerolzhofen Kosten von etwa 25 Mio. Euro schätzte. Häufig würden in der Diskussion aber viel zu hoch angesetzte Summen behauptet. Zudem seien die Kosten zu 90 % förderfähig. Wenn man die Fördermöglichkeiten hierzulande nicht wahrnehme, flössen die Gelder eben anderswohin.

Mit einer Bürger-Umfrage zur Steigerwald läuft aktuell die Ermittlung der Ansichten und Wünsche der Anlieger. Diese Umfrage ist noch bis 6.Februar möglich, es kann sich jede*r Interessierte*r daran beteiligen. Zugang über den QR-Code im beigefügten Bild oder unter: https://arcor.limequery.com/887672?lang=de

Aufgrund des großen Anklanges der Info-Veranstaltung wurde bereits eine Folgeveranstaltung für den Dienstag, 23.2.21 20:00 angesetzt, erneut als Online-Konferenz. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Quelle: VCD Ortsgruppe Schweinfurt Stadt/Land