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Bayern: Experten warnen “Innenstädte werden Corona nicht überleben”

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Symbolbild © PRIMATON

Bayerns Innenstädte werden Corona nicht überleben
Innenstadtexperten warnen vor massiven Veranstaltungs- und Ladensterben 

(München, 2.Februar 2021) Die Bayerischen Innenstädte werden nicht am Virus sterben, sondern an mangelnder finanzieller Unterstützung der von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen sowie an der unveränderten Perspektivlosigkeit von Seiten der Regierung. Mit deutlicher Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bayerischen Staatsregierung melden sich jetzt die Bayerischen Innenstadtverantwortlichen zu Wort. Die Mitglieder des Berufsverbandes City- und Stadtmarketing Bayern AKCS e.V. schlagen Alarm und fordern von der Staatsregierung die umgehende Öffnung der Bayerischen Innenstadtgeschäfte. 

„Niemand kann verstehen, warum sich die Menschen am Samstag durch volle Supermärkte am Stadtrand und Discounter drängen müssen, aber die Innenstadtunternehmen, trotz bester Hygienekonzepte, geschlossen bleiben müssen“, so Klaus Stieringer vom Berufsverband City- und Stadtmarketing Bayern AKCS e.V. Als Geschäftsführer der Stadtmarketinggesellschaften, als Citymanager und Vorsitzende der Werbegemeinschaften tragen die Mitglieder des Berufsverbandes City- und Stadtmarketing Bayern AKCS e.V. seit vielen Jahren, mit ihren zahlreichen Aktivitäten dazu bei, die Bayerischen Kommunen attraktiv, vielfältig und lebendig zu halten. Seit vielen Jahren stehen die Innenstadtvermarkter im wachsenden Wettbewerb gegenüber großen Einzelhandelsansiedlungen, der wachsenden „Grünen Wiese“ und dem zunehmenden Onlinehandel. Durch die Corona-Krise, wächst nun die Sorge, dass dieser jahrzehntealte Wettstreit um Marktanteile, Kaufkraft und eine lebendige Innenstadt nun endgültig verloren geht. „Nach dem Wegfall des letztjährigen Oster- und Weihnachtsgeschäfts, der Absage aller Innenstadtveranstaltungen sowie der perspektivlosen Verlängerung des Lockdowns, stehen nach Einschätzungen des AKCS schon jetzt viele Innenstadtunternehmen vor dem endgültigen Aus. 

Und mit den Geschäften, Restaurants und Unternehmen droht nun auch der gesamten Innenstadt das Ende“, warnt der Vorsitzende des AKCS Klaus Stieringer. Neben dem Ladensterben in den Bayerischen Innenstädten, befürchtet der Berufsverband zudem ein Sterben vieler traditioneller Veranstaltungen. „Bayern wird seit Jahrhunderten geprägt von seiner einzigartigen und lebendigen Veranstaltungskultur. Nach dem Ausfall der Veranstaltungen im vergangenen Jahr, befürchtet der Verband nun das endgültige Aus für viele traditionellen Feste im Freistaat. „Nachdem die Innenstadtmanager vielerorts auch für das 

kommunale Veranstaltungsmanagement zuständig sind, fehlt ihnen auch für das kommende Jahr jegliche Planungssicherheit“, so Christian Bitter, Geschäftsführer des AKCS. Insbesondere die kleinen und im Ehrenamt organisierten Veranstaltungen werden, nach Einschätzungen des Berufsverbandes, bei einer neuerlichen Absage, das Jahr 2021 kaum überstehen. Soweit die Bayerische Staatsregierung lediglich einen Lockdown an den nächsten hängt, ohne Perspektive für eine Wiedereröffnung der Unternehmen zu präsentieren, werden die Bayerischen Kommunen, nach Ansicht des AKCS, den Wettbewerb gegen den Onlinehandel im Jahr 2021 endgültig verlieren. Ohne einen lebendigen Handel, attraktive Gastronomie, vielfältige Dienstleistungsangebote sowie die Inszenierung der Innenstadt als Bühne durch mitreißende Veranstaltungen werden die Bayerischen Innenstädte, nach Einschätzung des AKCS, zunehmend verwaisen. „Mit dem Untergang der Innenstadt geht zugleich ein jahrhundertealtes Kulturgebot in Bayern verloren, mit dem nicht nur unzählige Erinnerungen und Emotionen, sondern auch hunderttausende von Arbeits- und Ausbildungsplätzen verbunden ist“, so Klaus Stieringer. Um den Bayerischen Innenstädten eine Überlebensmöglichkeit zu geben, benötigen die Kommunen umgehend eine klare Aussage, unter welchen Bedingungen, sie wann ihren Betrieb wieder aufnehmen können, um zumindest eine kleine Perspektive zu erhalten“, so AKCS-Geschäftsführer Christian Bitter. 

Die Mitglieder des Berufsverbandes, sowie alle Unternehmerinnen und Unternehmer in den Bayerischen Kommunen, benötigen schnellstmöglich ein Signal von Seiten der Staatsregierung um zu entscheiden, ob sie Mitarbeiter weiter beschäftigen, Ware bestellen und Marketingmaßnahmen planen können. 

Quelle: Berufsverband City- und Stadtmarketing Bayern AKCS e.V. 

Offener Brief:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Söder,
sehr geehrter Herr Staatsminister Aiwanger, 

vorab soll darauf hingewiesen werden, dass wir die ergriffenen Maßnahmen zum Schutz der bayerischen Bevölkerung vor einer Covid19-Ansteckung in vollem Umfang unterstützen und gutheißen. Das Bestreben eines Stadtmarketingvereins ist es, in erster Linie die Städte zu beleben und Besucher in die Innenstädte zu holen. Derzeit heißt es jedoch: Langfristig denken und wenige Menschen mobilisieren, um möglichst bald wieder zur Normalität zurückkehren zu können. 

In diesem Zusammenhang freuen wir uns darüber, dass für die Wirtschaftsunternehmen Überbrückungshilfen bereitgestellt worden sind. Damit wurde aus unserer Sicht die Grundlage für eine Revitalisierung der Innenstädte nach der Pandemie geschaffen. 

Derzeit stellen wir jedoch fest, dass gut gemeint und gut beschlossen leider noch lange nicht auch gut gelungen bedeutet. Teilweise sind die bürokratischen Hürden zu hoch, teilweise kann die Unterstützung erst zu spät beantragt werden und teilweise dauert die Bearbeitung zu lange. Nach unserem Kenntnisstand ist die Beantragung der Überbrückungshilfe III erst ab Mitte Februar möglich. Abgesehen davon, dass dieser Termin bereits spät gesetzt erscheint, wird für viele kleine Unternehmen, die gerade den Charakter unserer Altstädte ausmachen, die Zeit bis zur Ausreichung bei den jetzigen Bearbeitungszeiten viel zu lange dauern. 

Gerade diese stadtprägenden kleinen Unternehmen haben nicht genügend Liquiditätsreser-ven, um noch mehrere Wochen ohne tatsächlichen Eingang der Überbrückungshilfen überstehen zu können. Die Zeit drängt, es ist wichtig, die Überbrückungshilfen noch rechtzeitig auszuzahlen.

Andernfalls sind die Folgen aus Sicht des Stadtmarketings als dramatisch zu bezeichnen. Jahrelange Bemühungen, Leerstände zu vermeiden und neu zu belegen, können jetzt sehr schnell umsonst gewesen sein. Gerade aus diesen Bemühungen heraus lässt sich feststellen: Wenn sich nach realistischer Schätzung auch nur knapp die Hälfte der Geschäfte aus dem Stadtbild verabschiedet, verursacht das einen irreparablen Schaden am Stadtbild und an der Identität jeder einzelner unserer Städte. 

Deswegen richten wir die dringende Bitte an Sie, für einen raschen Vollzug der beschlossenen Hilfen zu sorgen. Es wäre wünschenswert, wenn man auch im Vollzug der Maßnahmen außergewöhnliche Anstrengungen zur Bewältigung der Herausforderungen in der Pandemie erfahren könnte. 

Wir hoffen, Sie bei all den wichtigen Themen, mit denen Sie sich täglich auseinandersetzen müssen, für unsere Problematik sensibilisieren zu können. Wenn Bayern seine Prägung, seine Tradition und seinen Charakter auch in Zukunft erhalten will, ist jede Innenstadt ein wichtiger Baustein. Um eine Verödung zu verhindern, ist nun rasches Handeln gefragt. Es zählt jede Woche! 

Wir bedanken uns bereits jetzt für Ihr offenes Ohr gegenüber unserem Anliegen und bitten Sie nochmals mitzuhelfen, dass die Hilfen auch zeitnah bei den Unternehmen ankommen. 

Mit freundlichen Grüßen…